Sensibilisierungkarten

Hier ist eine elektronische Variante der Sensibilisierungkarten auf dem Congress. Zur Übersicht und wegen Barrierefreiheit.

Barrierefreiheit

Wie geht Assistenz?

Assistenz hilft Behinderten, Barrieren zu umgehen.

Tu nur, um was du gebeten wirst. Nicht mehr.

Gib keine Assistenz auf Verdacht. Dränge keine Hilfe auf.

Sag an, was du tust. Vor allem, wenn du mir nahe kommst. Oder an meine Sachen gehst.

Ich nutze einen Rollstuhl

Mein Rollstuhl ist ein Hilfsmittel. Ich kann mich damit besser bewegen.

Mach keine Annahmen und habe keine Erwartungen. Hab kein Mitleid. Nein, du kannst dir nicht vorstellen, wie das ist.

Möchtest du länger mit mir reden, such' dir einen Sitzplatz. Das freut meinen Nacken.

Wenn ich Hilfe brauche, frage ich. Ich weiß, was ich kann.

Du magst nicht, wenn du geschubst wirst? Dann schiebe mich oder mein Hilfsmittel auch nicht herum.

Ich bin blind

Das heißt ich kann schlecht oder nichts sehen.

Viele Sachen in meiner Umgebung sehe ich nicht oder nur schlecht: deine Körpersprache, deine Blicke, wohin du zeigst.

Schau mich also nicht fragend an, sondern spreche mich mit meinem Namen an.

Wenn ich Hilfe brauche, frage ich.

Beschreibe mir gern Sachen, die ich nicht sehen kann. Vor allem, wenn du Bilder online postest.

Bitte halte für mich die Leitstreifen am Boden frei. Entferne Stolperfallen wenn du sie siehst.

Ich bin gehörlos oder schwerhörig

Das heißt ich kann nichts oder nicht gut hören.

Sprich deutlich und schreie nicht. Wenn ich dich nicht verstehe, sag es noch einmal.

Sehe ich deinen Mund, kann ich dich besser verstehen. Helle und ruhige Orte helfen auch.

Meine Hände können mit Gebärden alles sagen, was deine Stimme auch kann. Nicht alle Gehörlosen können gebärden.

Ich bin nicht allein im Kopf

In unserem Körper leben mehrere Anteile. Behandle jeden von uns mit Respekt.

Wir haben verschiedene Interessen, Pronomen und Gewohnheiten. Anteile können auch Kinder, Tiere oder Fabelwesen sein.

Manchmal wirken wir "vergesslich". Das kann passieren, wenn wir Erinnerungen nicht teilen. Wer vorn ist - also den Körper steuert - kann sich ändern. Das bekommen wir nicht immer mit.

Wie in einer WG kann es auch in unserem Kopf Streit geben. Es kann sein, dass dich nicht alle von uns gleich mögen.

Was heißt getriggert?

Ich habe schlimmes erlebt. Trigger ziehen mich in die Situation zurück. Das tut mir sehr weh.

Alles kann ein Trigger sein. Auch deine Frisur.

Trigger können mich sehr böse machen. Aber auch einfrieren lassen.

Nimm das nicht persönlich. Ich kämpfe mit meiner Erinnerung. Nicht mit dir.

'Trigger' ist ein Fachwort. Nutze es nicht einfach so.

Mein Kopf kann gerade nicht.

Ich habe Depressionen. Mir geht es nicht gut.

Mein Kopf ist fies zu mir. Das raubt mir Energie.

Bitte rede mir die Gefühle nicht aus. Bitte sage nicht, wie toll ich doch bin.

Du kannst mir helfen, in dem du für mich da bist, mir zuhörst oder mich ablenkst.

Neurodiversität

Ich bin manchmal non-verbal

Ich kann gerade nicht sprechen. Das heißt nicht immer, dass es mir schlecht geht.

Vielleicht ist einfach viel in meinem Kopf los.

Manchmal kann ich trotzdem noch “reden”: im Chat, mit Stift oder Karten.

Achtung, Meltdown!

Ich sehe gerade sehr böse oder wütend aus. Das ist nicht so gemeint.

Ich habe eine Krise. Ich muss mich abreagieren. Alles raus lassen hilft mir gerade.

Es tut mir leid, wenn das gruselig ist.

Ich bekomme einen Overload.

Es ist mir gerade zu viel.

Das kann an Lichtern, Geräuschen oder Gerüchen liegen. Oder an einem sozialen Konflikt.

Ich muss wieder runter kommen, damit es mir besser geht. Dabei hilft ein ruhiger Ort.

Das ist ein Shutdown.

Manchmal will mein Körper nicht mehr: Etwas blockiert mich dann.

Das kann einfach so passieren. Manchmal geht es mir auch schlecht.

  • Gib mir Zeit, mich zu lösen.
  • Fass mich nicht an.
  • Rede nicht auf mich ein.

Ich stimme, das ist gut so!

Dir fällt vielleicht auf, dass ich: - zeichne, - mit dem Körper wippe, - einen Kaugummi kaue, - oder an etwas herumspiele.

Das heißt Stimming. Es hilft mir beim runter kommen. Und beim zuhören.

Mein Normal ist atypisch.

Ich meine und verstehe Sachen oft wörtlicher, als andere.

Ironie bekomme ich nicht immer mit. Andere verstehen meine Ironie manchmal auch nicht.

Mein Körper spricht eine eigene Sprache: Hände-Flattern kann Freude zeigen.

Ich ticke etwas anders. Das macht Verstehen schwerer. Aber: Wenn alle Rücksicht nehmen, klappt's.

Ich habe Ticks

Das heißt mein Körper muss manchmal Geräusche oder Gesten machen. Die sind manchmal gemein.

Ich kann das unterdrücken, aber das kostet Kraft.

Bitte erwähne meine Ticks nicht. Bitte versuche nicht, Ticks auszulösen.

Frag mich, bevor du mir von anderen Ticks erzählst. Ticks können ansteckend sein.