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Computer können das Leben verbessern. Digitalisierung macht viele Prozesse schneller und leichter umsetzbar, zumindest in der Theorie. Was aber, wenn man gar keinen Zugang zu digitalen Angeboten hat, oder ihn aus Sorge von Datenmissbrauch ausschließen muss? Armut, Behinderung, fehlende Umgangserfahrung oder eine hohe Datenhygiene führen dazu, dass Menschen sich im Alltag einschränken müssen, weil ihnen der Zugang zu einem Gut nicht offen steht. Das geht los bei Rabattaktionen im Supermarkt und geht bis zu Einschränkungen in der Mobilität – die Deutsch Bahn lässt grüßen. Ich zeige, in welchen Bereichen des Lebens Digitalzwang auftritt und wie vielseitig er sich gestaltet. Hierfür habe ich Forschungsinterviews mit Menschen geführt, die sich von Digitalzwang betroffen sehen. Im Gespräch habe ich erfahren, mit welchen Formen des Zwangs sie konfrontiert waren und wie schwer diese Eingriffe waren. Dabei zeigt sich, dass Digitalzwang zwar ein Problem für sich ist, jedoch oft intersektionell wirkt: Armut, Behinderung oder fehlende Bildung werden durch eine exklusive Digitalisierung noch verstärkt. Digitalzwang ist damit nicht nur unangenehm, sondern wird in vielen Fällen zu einem Human Security-Problem. Dieses Konzept geht davon aus, dass Sicherheit nicht nur die Abwesenheit von Gewalt ist, sondern ein Zustand, indem sich Menschen frei entwickeln können. Ein Ausschluss aus einer Gesellschaft oder eine Beschränkung im eigenen Leben wirken diesem Zustand entgegen. Anhand der Beispiele, die ich durch die Interviews gesammelt habe, zeige ich, wie die Auswirkungen von Digitalzwang diese Probleme erzeugen können. Dabei müssen wir uns die Frage stellen, wie wir mit der Digitalisierung umgehen wollen. Um dabei nicht ganz im Pessimismus zu versinken, gehe ich auch auf positive Beispiele ein: Wo wird gut und nutzerfreundlich digitalisiert?