22C3 - 2.2

22nd Chaos Communication Congress
Private Investigations

Referenten
Sandro Gaycken
Programm
Tag 2
Raum Saal 2
Beginn 16:00
Dauer 01:00
Info
ID 516
Veranstaltungstyp Vortrag
Track Science
Sprache deutsch
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Was ist technisches Wissen?

Philosophische Grundlagen technischer Wissenschaften

Unter dem steigenden Interesse der Technikphilosophen und der Diversifizierung der philosophischen Wissenschaftstheorie erscheinen erste Untersuchungen über technisches Wissen. Der Vortrag zeigt an, auf welchen Pfaden und mit welchen Fragen die Wissenschaftsphilosophie an die Technik derzeit heran tritt. Davon ausgehend soll auch das gegenwärtige philosophische Bild vom technischen Wissen gezeigt werden.

Die Wissenschaftsphilosophie wendet sich seit einigen Jahren vermehrt den speziellen Wissenschaften zu. Dies ist nicht etwa das Resultat eines gelungenen Abschlusses, dem nun die erobernde Explorationen der je spezifischen Gegenstände folgt. Im Gegenteil: es handelt sich um das Symptom des noch langsam gegen alte Eitelkeiten anschleichenden Eingeständnisses, dass man in den großen, generalistischen Entwürfen die Komplexität der tatsächlichen Wissenschaften unterschätzt hat. Sie liessen sich nämlich bisher nicht einfach taxonomisieren und schematisieren.

Dieses Zugeständnis ist sogar parallel aus den beiden, mit Reichenbach unterschiedenen wissenschaftstheoretischen Traditionen des Entdeckungskontext und des Rechtfertigungskontext zu verzeichnen. Für den Entdeckungskontext kann man, mit avantgardistischer Grobschlächtigkeit, für den aktuellen Stand auf die sich gerade etablierende Wissenschafts- und Technikforschung verweisen. Sie subsumiert die methodologiekritschen Strömungen der letzten dreißig Jahre: ein Anteil Wissenschaftsgeschichte korrespondiert dem Kuhnschen Historismus, ein Anteil Wissenschaftssoziologie dem Feminismus, der sozialen Epistemologie und dem sozialen Konstruktivismus und ein Anteil philosophischer Wissenschaftstheorie erörtert, weiterhin geradlinig unempirisch, allgemein Grundsatzprobleme im Rahmen philosophischer Traditionen und Mittel wie etwa in der Finalisierungsdiskussion der Siebziger und Achtziger Jahre. Aber auch auf der Seite des Begründungskontext, dessen Diskussionen sich völlig unabhängig von denen des Entdeckungskontext bewegt haben, wurde und wird entdeckt, dass Wissenschaft ein stark lokales Phänomen ist. Ein Pluralismus wird inzwischen in vielen Kontexten angenommen. Diese methodologische Vielfalt ist auch die These von Cartwright, die von einer durch verschiedenste Methoden und Mittel „gescheckten“ Wissenschaft ausgeht und damit die Opposition zum reduktionistischen, universalistischen Ideal der klassischen Wissenschaftstheorie letztlich auch vom Begründungskontext her konsolidiert.

Die Konsequenzen dieser Erkenntnisse der Wissenschaftstheorie festigen sich derzeit innermethodisch durch Lokalisierungen von klassisch universalistischen Fragen. Entsprechend des sich damit bietenden Bildes von stark mehrfach lokalisierten Fragestellungen fallen auch die derzeit stattfindenden ersten wissenschaftstheoretischen Untersuchung des technischen Wissens aus. Die meisten dieser ersten Betrachtungen beziehen sich dabei zunächst auf das technische Handeln und untersuchen schliesslich von da aus, was das dazu nötige technische Wissen ist. Einige dieser Untersuchungen sollen im weiteren noch vorgestellt werden, indem technikphilosophische Überlegungen zum technischen Handeln mit wissenschaftsphilosophischen Konzeptionen zum technischen Wissen kontrastiert werden.