{\rtf1\mac\ansicpg10000\uc1\deff0\stshfdbch0\stshfloch0\stshfhich0\stshfbi0\deflang1033\deflangfe1033{\upr{\fonttbl{\f0\fnil\fcharset256\fprq2{\*\panose 00020206030504050203}Times New Roman;} {\f22\fnil\fcharset256\fprq2{\*\panose 00020606030202050204}Rockwell;}}{\*\ud{\fonttbl{\f0\fnil\fcharset256\fprq2{\*\panose 00020206030504050203}Times New Roman;}{\f22\fnil\fcharset256\fprq2{\*\panose 00020606030202050204}Rockwell;}}}} {\colortbl;\red0\green0\blue0;\red0\green0\blue255;\red0\green255\blue255;\red0\green255\blue0;\red255\green0\blue255;\red255\green0\blue0;\red255\green255\blue0;\red255\green255\blue255;\red0\green0\blue128;\red0\green128\blue128;\red0\green128\blue0; \red128\green0\blue128;\red128\green0\blue0;\red128\green128\blue0;\red128\green128\blue128;\red192\green192\blue192;}{\stylesheet{\ql \li0\ri0\widctlpar\aspalpha\aspnum\faauto\adjustright\rin0\lin0\itap0 \lang1031\langfe1033\cgrid\langnp1031\langfenp1033 \snext0 Normal;}{\*\cs10 \additive Default Paragraph Font;}{\* \ts11\tsrowd\trftsWidthB3\trpaddl108\trpaddr108\trpaddfl3\trpaddft3\trpaddfb3\trpaddfr3\trcbpat1\trcfpat1\tscellwidthfts0\tsvertalt\tsbrdrt\tsbrdrl\tsbrdrb\tsbrdrr\tsbrdrdgl\tsbrdrdgr\tsbrdrh\tsbrdrv \ql \li0\ri0\widctlpar\aspalpha\aspnum\faauto\adjustright\rin0\lin0\itap0 \fs20\lang1024\langfe1024\cgrid\langnp1024\langfenp1024 \snext11 Normal Table;}{\s15\ql \li0\ri0\widctlpar\tqc\tx4153\tqr\tx8306\aspalpha\aspnum\faauto\adjustright\rin0\lin0\itap0 \lang1031\langfe1033\cgrid\langnp1031\langfenp1033 \sbasedon0 \snext15 \styrsid11622797 footer;}{\*\cs16 \additive \sbasedon10 \styrsid11622797 page number;}}{\*\rsidtbl \rsid11622797}{\info{\author Arthur Dent}{\operator Arthur Dent} {\creatim\yr2005\mo12\dy28\min59}{\revtim\yr2005\mo12\dy28\hr1\min17}{\printim\yr2005\mo12\dy28\hr1\min5}{\version18}{\edmins17}{\nofpages11}{\nofwords3816}{\nofchars21752}{\*\company Sirius Cybernetics Corporation}{\nofcharsws26712}{\vern24705}} \ftnbj\aenddoc\makebackup\noxlattoyen\expshrtn\noultrlspc\dntblnsbdb\nospaceforul\hyphcaps0\horzdoc\dgmargin\dghspace120\dgvspace120\dghorigin1800\dgvorigin1440\dghshow0\dgvshow3\jcompress\viewkind1\viewscale100\nolnhtadjtbl\rsidroot11622797 \fet0\sectd \pgnrestart\linex0\sectdefaultcl\sectrsid11622797\sftnbj {\footer \pard\plain \s15\ql \li0\ri0\widctlpar\tqc\tx4153\tqr\tx8306\pvpara\phmrg\posxr\posy0\aspalpha\aspnum\faauto\adjustright\rin0\lin0\itap0\pararsid11622797 \lang1031\langfe1033\cgrid\langnp1031\langfenp1033 {\field{\*\fldinst {\cs16\insrsid11622797 PAGE }}{\fldrslt {\cs16\lang1024\langfe1024\noproof\insrsid11622797 11}}}{\cs16\insrsid11622797 \par }\pard \s15\ql \li0\ri360\widctlpar\tqc\tx4153\tqr\tx8306\aspalpha\aspnum\faauto\adjustright\rin360\lin0\itap0\pararsid11622797 {\insrsid11622797 \par }}{\*\pnseclvl1\pnucrm\pnstart1\pnindent720\pnhang{\pntxta .}}{\*\pnseclvl2\pnucltr\pnstart1\pnindent720\pnhang{\pntxta .}}{\*\pnseclvl3\pndec\pnstart1\pnindent720\pnhang{\pntxta .}}{\*\pnseclvl4\pnlcltr\pnstart1\pnindent720\pnhang{\pntxta )}} {\*\pnseclvl5\pndec\pnstart1\pnindent720\pnhang{\pntxtb (}{\pntxta )}}{\*\pnseclvl6\pnlcltr\pnstart1\pnindent720\pnhang{\pntxtb (}{\pntxta )}}{\*\pnseclvl7\pnlcrm\pnstart1\pnindent720\pnhang{\pntxtb (}{\pntxta )}}{\*\pnseclvl8 \pnlcltr\pnstart1\pnindent720\pnhang{\pntxtb (}{\pntxta )}}{\*\pnseclvl9\pnlcrm\pnstart1\pnindent720\pnhang{\pntxtb (}{\pntxta )}}\pard\plain \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 \lang1031\langfe1033\cgrid\langnp1031\langfenp1033 { \i\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Peter Glaser \par Vortrag zum 22C3 Chaos Communication Congress am 28.12.2005 \par }{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par \par }{\b\f22\fs36\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Das Geheimnis - reloaded \par }{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par \par \par Liebe Freundinnen, liebe Freunde, \par Liebes Chaos, \par \par \par ich werde \u252\'9fber das Geheimnis sprechen, das ist ein weites Feld. Deshalb ein paar einschr\u228\'8ankende Anmerkungen. Ich werde mich nicht oder nur ganz am Rand mit den offensichtlichen Dingen besch\u228\'8aftigen, die um den Begriff }{ \i\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Ge\-heimnis}{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 angesiedelt sind. Nicht mit dem, was auf der Hand liegt. Ich inter\-essiere mich nicht f\u252 \'9fr die Klischees, die wie abgeworfene H\u228\'8aute in der N\u228\'8ahe der F\u228\'8ahrten liegen, die nach dem Geheimnis hinf\u252\'9fhren, nicht f\u252\'9fr Geheim\-dienste, nicht f\u252\'9fr Verschw\u246\'9arungstheorien, nicht f\u252\'9f r kabbalistischen Code oder andere Wichtigtuereien. \par \par Was ich mache, ist ein Versuch. Ich versuche einen Streifzug durch die Ge\-schichte und die modernen Erscheinungsformen des Geheimnisses, weil ich glaube, dass es gef\u228\'8a hrlich ist, immer nur von Information zu reden, ohne das Gegenteil von Information genauso aufmerksam mit in Betracht zu ziehen. Das Geheimnis war seit jeher der Schatten, der dunkle Bruder der Information. \par \par Und das Geheimnis hat sehr unterschiedliche Aspekte. \par \par Zitat: \ldblquote Das Sch\u246\'9anste, was wir erleben k\u246\'9annen, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgef\u252\'9fhl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erstarrt.\rdblquote - Einstein hat das geschrieben. \par \par Der Begriff der }{\i\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Informationsgesellschaft}{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 hat vor dem 11. September 2001 einen Zustand und eine Richtung bezeichnet, in den die moderne Zivilisation sich bewegt. F\u252\'9fr manche war der Begriff eher negativ get\u246\'9ant, f\u252\'9fr andere voller Zukunftsleuchten, im gro\u223\'a7en und ganzen hat er eine gemeinschaftliche Vor\- stellung gesellschaftlicher und kultureller Entwicklung umrissen. \par \par Mit den 11. September hat das Geheimnis wieder sein Haupt erhoben. Oder anders ausgedr\u252\'9fckt: Information wird nun mit einer beunruhigenden neuen Qualit\u228\'8at unzug\u228\'8anglich gemacht, zum Verschwinden gebracht oder sie ist re\- duziert, das hei\u223\'a7t, nur noch f\u252\'9fr elit\u228\'8are Gruppen verf\u252\'9fgbar. \par \par Im Sommer 2001 habe ich Vorrecherchen f\u252\'9fr eine Erz\u228\'8ahlung durchgef\u252\'9fhrt, in der ein paar Leute den Direktor eines Teilchenbeschleunigers erpressen, um die Theorien \u252\'9f ber den Zustand des Universums zu manipulieren, die auf Versuchen mit diesen gr\u246\'9a\u223\'a7ten Maschinen der Welt basieren. Unter anderem habe ich mich dabei bis in Details mit Fermilab besch\u228\'8aftigt, einer gro\u223\'a7en Anlage in der N\u228 \'8ahe von Chicago. Ich erinnere mich genau an die Karten und Anfahrtspl\u228\'8ane, die ich damals gefunden hab e. Ich habe sie nicht aufgehoben, weil ich sicher war, dass ich sie jederzeit wiederfinde, wenn ich wieder auf der Fermilab-Website bin. Im Herbst 2002 war ich dabei, die Erz\u228\'8ahlung zu\-ende zu schreiben, und die ganzen detaillierten Karten und Pl \u228\'8ane waren weg, verschwunden. Das einzige, was noch zu finden war, war eine stark abstra\-hierte Wegbeschreibung von Chicago aus. \par \par Und es war nicht nur der Weg ins Fermilab, der pl\u246\'9atzlich verschwunden war. Von vielen vor allem US-amerikanischen Websites verschwanden Informa\-tionen. Die Websites von Chemiefabriken waren pl\u246\'9a tzlich nicht mehr so auskunftsfreudig wie bisher, Websites, die Auskunft \u252\'9fber Bauwerke gaben, waren auf einmal ziemlich zugekn\u246\'9apft, Webcams an Br\u252\'9fcken stellten den Betrieb ein - aus Angst, Terroristen k\u246\'9annten den freiz\u252 \'9fgigen Informations\-zugang f\u252\'9fr ihre Zwecke nutzen. \par \par }\pard \qc \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 == \par }\pard \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par Das }{\i\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Information Security Oversight Office}{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 h\u228\'8a lt penibel die Zahl der Dokumente fest, die in den USA jedes Jahr im Dienst der nationalen Sicherheit als geheim eingestuft werden. Seit dem Amtsantritt von Pr\u228\'8a sident George W. Bush hat diese Art der Klassifikation massiv zugenommen - von 9 Millionen Dokumen\-ten im Jahr 2001 auf 15,6 Millionen im Jahr 2004. \par \par Die Beh\u246\'9arden schr\u228\'8anken inzwischen auch den Zugriff auf nicht klassifizierte Informationen ein. Das Telefonbuch des Pentagon beispielsweise, das zuvor jeder kaufen konnte, ist seit 2001 nur noch \ldblquote f\u252\'9fr den Dienstgebrauch \rdblquote erh\u228\'8alt\-lich. Die U.S. Army begann mit dem Abzug bislang \u246\'9affentlicher Online-Inhalte auf das pa\u223\'a7wortgesch\u252\'9ftzte Portal \ldblquote Army Knowledge Online\rdblquote . }{ \i\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par \par }{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Ein Verzeichnis der nicht mehr verf\u252\'9fgbaren Informationen gibt es nicht. Steven Aftergood, der ein Forschungsprojekt \u252\'9f ber staatliche Geheimhaltung leitet, spricht vom \ldblquote information blackout\rdblquote . Ungez\u228\'8ahlte Dokumente, die frei\-gegeben sind, werden einer neuerlichen \u220\'86berpr\u252\'9f fung unterzogen, ob sie nicht doch wieder als geheim eingstuft werden sollen. Die Historikerin Anna Nelson fand bei einem Besuch im amerikanischen Nationalarchiv unter an\-de\-rem Schachteln, \ldblquote in denen Nixon-Dokumente sein s ollten und die mit nichts als Entnahmekarten angef\u252\'9fllt waren.\rdblquote \par \par \page Nicht alle Entnahmen sind unbegr\u252\'9fndet. So wurden in Dossiers, die frei zug\u228\'8anglich waren, streng geheime Informationen \u252\'9fber den Bau von Nuklearwaffen entdeckt. \par \par }\pard \qc \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 == \par }\pard \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par Aber es ist nicht nur der 11. September, der die Frage aufwirft, ob wir wei\-ter\-hin von einem Weg in die Informationsgesellschaft sprechen k\u246\'9annen, oder ob wir nicht schon l\u228\'8angst ganz woandershin unterwegs sind. \par \par Und es sind l\u228\'8angst nicht mehr nur staatliche Stellen, die W\u228\'8ande vor der \u214\'85ffentlichkeit hochziehen. Auch der \ldblquote Chronicle of Higher Education\rdblquote , eine Fachzeitschrift f\u252\'9f r das Bildungswesen, hat darauf hingewiesen, dass Infor\-mation verschwindet. Forscher, die f\u252\'9fr ihre Arbeit auf Zeitungsdatenbanken angewiesen sind, sehen sich mit schrumpfenden Textbest\u228\'8anden konfrontiert. Der Grund daf\u252\'9f r ist eine h\u246\'9achstgerichtliche Entscheidung, der zufolge freien Autoren und Fotografen die Online-Ver\u246\'9affentlichung eines Beitrags extra ver\-g\u252\'9ftet werden muss. Um Honorarnachforderungen zu entgehen, ha ben US-Verlage vor zwei Jahren damit begonnen, Artikel und Fotos freier Mitarbeiter aus ihren Datenbanken und Archiven zu entfernen. Niemand kann genau sa\-gen, wie viel Material \endash von den sp\u228\'8aten siebziger Jahren bis in die Neunziger \endash den Ma\u223\'a7nahmen bisher zum Opfer gefallen ist. \par \par Und es ist auch oft nicht nur Kalk\u252\'9fl und Absicht, jedenfalls nicht direkte, die Dinge in Geheimnisse verwandelt. Um ein altes Sprichwort zu zitieren: }{\i\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach Pl\u228\'8ane. \par }{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par Als vor einiger Zeit die "Unesco Online Photobank\rdblquote mit ihren frei verf\u252\'9fgbaren Bildern ans Netz gegangen ist, habe ich unter dem Schlagwort "Austria\rdblquote unter anderem Fotos des Lachenden Kookburra-Vogels aus den "Wet Tropics of Queensland, Austria\rdblquote sowie die D\u252\'9fnen-Kathedralen von "Fraser Island, Au\-stria\rdblquote gefunden. \par \par Was sich an dem Beispiel zeigt, sind Folgen des Umstiegs auf digitale Kultur\-tr\u228\'8ager. Der Update-Effekt, den wir bereits von Software kennen, zeigt sich auch bei herk\u246\'9ammlichem Material: Die neue Version, die nie gesehene tech\- nologische Vorteile verhei\u223\'a7t, enth\u228\'8alt auch noch nie dagewesene Fehler. \par \par Und manche der Fehler st\u246\'9aren nicht einfach nur, sondern sie machen die gesamte Absicht zunichte, manchmal eine ganze Tradition. Wer in der Unesco Fotobank nach Motiven australischer F auna und Landschaft sucht, wird die von Australia nach Austria verlegten Fotos nie wieder angezeigt bekommen. So verwandeln sich Datenbanken in Datenbestattungsanlagen. \par \par \page Als die B\u252\'9fcherkartei der amerikanischen Kongre\u223\'a7bibliothek digitalisiert wur\-de, haben schlecht bezahlte und schlecht ausgebildete Datenerfasserinnen und Erfasser die Eintragungen auf den alten Pappk\u228\'8artchen in den Computer \u252\'9fbertragen. Die K\u228\'8artchen hat man unmittelbar danach zu Pre\u223\'a7pappe recycelt. \par \par Inzwischen hat man festgestellt, dass in den Tipp- und Sinnfehlerkaskaden, die beim Abschreiben neu entstanden sind, ganze Literaturen und Wissens\-areale zu versinken drohen. Aber daf\u252\'9fr ist ein neues Berufsbild entstanden: die Daten-Arch\u228\'8a ologie. \par \par Nach einem Satz von Marshall McLuhan aus den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hei\u223\'a7t das: Der Computer hilft uns dabei, Probleme schneller zu l\u246\'9asen, die wir ohne Computer gar nicht gehabt h\u228\'8atten. \par \par }\pard \qc \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 == \par }\pard \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par Die Informationsgesellschaft hat in dem Moment begonnen, in dem klar war, dass definitiv zu viel Information da ist. \par \par Wir sind heute mit einer neuen Form der Umweltverschmutzung konfrontiert. }{\i\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \u220\'86berinformation}{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 ist der Smog des 21. Jahrhunderts. Je kompakter und intelli\-genter jemand heute seine Ideen oder Informationen aufbereitet, desto wert\-voller wird sein Beitrag. In einer Wissensgesellschaft gelten Redundanz und Geschw\u228\'8a tzigkeit als Formen virtuellen Schadstoffeintrags. \par \par In den neunziger Jahren dachte man: Informationen zu liefern ist das Gesch\u228\'8aft der Zukunft. Aber mit Informationen ist es wie mit Uhren. Wer }{\f22\ul\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 eine}{ \f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Uhr hat, wei\u223\'a7 immer, wie sp\u228\'8at es ist. Wer }{\f22\ul\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 viele}{ \f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Uhren hat, ist sich nie sicher. \par \par Eine Schl\u252\'9fsselfrage lautet daher: Wie sch\u252\'9ftze ich mich vor Informationen? \par \par Dieser Gedanke ist wichtig, um zu verstehen, dass Information auf sehr unterschiedliche Weise verschwinden kann. \par \par \u220\'86brigens, empfohlene Hausmittel gegen das Informationsproblem sind Ab\-schweifung und Ignoranz. Netsurfen ist das klassische Beispiel f\u252\'9fr das Be\-d\u252\'9frfnis, von einer offenen Neugierde gelenkt umherzustreifen. Wie kaum etwas sonst gibt einem dieses Flanieren ein Gef\u252\'9fhl von Freiheit und Sou\-ver\u228\'8anit\u228\'8at. \par \par }{\i\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Ignoranz}{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 ist eine der m\u228\'8achtigsten Waffen im Kampf gegen die Informations\-\u252\'9f berflutung. Sie ist die Aktivform jenes V\u246\'9allegef\u252\'9fhls, das stets auftritt, wenn man zu viel von etwas zu sich nimmt, ob Pommes, Nachrichten oder Video\-spiele. \par \par Es gibt zwei M\u246\'9aglichkeiten. \par \par Die eine M\u246\'9aglichkeit: Man spaziert in einen Wald und ger\u228\'8at an den Rand eines Nervenzusammenbruchs, weil man glaubt, seine Aufmerksamkeit jeder einzelnen Tannennadel zuwenden m\u252\'9fssen. Jemand ruft: Wir brauchen eine leistungsf\u228 \'8ahigere tannennadelverarbeitende Technologie! Marshall McLuhan hat es pointiert ausgedr\u252\'9fckt: \ldblquote Der Nervenzusammenbruch ist das Mittel zur Erhellung der Denkprozesse\ldblquote . \par \par Die andere M\u246\'9aglichkeit: Man spaziert in einen Wald und kommt erholt wieder zur\u252\'9fck. \par \par }\pard \qc \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 == \par }\pard \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par Konsens war bisher, dass sich die Verf\u252\'9fgbarkeit von digitaler Information positiv auf den gesellschaftlichen Fortschritt auswirkt. Eine Wissensgesell\-schaft lebt von diesem Angebot. \par \par Eine der Konsequenzen der sogenannten Antiterrorgesetze ist, dass ameri\-kanische Bibliothekare nun dazu gezwungen werden k\u246\'9annen, die Internet-Nutzungsdaten von Besuchern herauszugeben, ebenso eine Liste der B\u252\'9f cher, die sie ausgeliehen haben. Auch hier ist die Geheimhaltung auf dem Vor\-marsch. Die Bibliotheken, die einer solchen Anordnung folgen m\u252\'9fssen, d\u252\'9frfen die Betroffenen ausdr\u252\'9fcklich }{ \f22\ul\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 nicht}{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 davon in Kenntnis setzen. \par \par Manchmal sind subversive Umkehrungen das richtige Mittel, um die Freiheit des Geistes und der ihm zugeh\u246\'9arigen Dinge zu sch\u252\'9ftzen. In Ray Bradburys d\u252\'9fsterem SF-Klassiker "Fahrenheit 451" versteckt beispielsweise der Feuer\- wehrmann Montag, der eigentlich von Berufs wegen verbotene B\u252\'9fcher ver\-brennen soll, seine geheime Bibliothek in einer Fernseher-Atrappe. \par \par Amerikanische Bibliothekare sehen der Entwicklung in der Folge des "Patriot Act" nicht tatenlos zu. Anne Turner, die Leiterin einer Stadtb\u252\'9fcherei im kali\-for\-nischen Santa Cruz, hat einen Weg gefunden, der Schweigepflicht zu ent\- gehen. Das Gesetz verbietet ihr lediglich, dar\u252\'9fber zu sprechen, dass eine Nachforschung stattgefunden habe. Turner hat jedoch nach wie vor das Recht, die \u214\'85ffentlichkeit davon in Kenntnis zu setzen, wenn KEIN Staatssch\u252\'9f tzer bei ihr nachgefragt hat. \par \par Und das tut sie: Sie schickt eine w\u246\'9achentliche Mitteilung an den Gemeinderat, in der vermerkt ist, dass die B\u252\'9fcherei von der Anwendung der neuen Anti\-terrorgesetze verschont geblieben ist. Sollte der Bericht eines Tages ausblei\-ben, wei \u223\'a7 die ganze Stadt, was passiert ist. \par \par }\pard \qc \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 == \par }\pard \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par In seinen milden Formen dient das Geheimnis der emotionalen Belebung. Es macht den, der es wei\u223\'a7, attraktiv, und versetzt den, der es wissen m\u246\'9a chte, in investigative Erregung. Als Mitglied einer Kommunikationshierarchie, ob in einem Unternehmen, einer Organisation oder einer Beh\u246\'9arde, erlebt man Geheimes als eine aufreizende Mischung aus Sexappeal und Mi\u223\'a7 trauen. Das Geheimnis hat einen speziellen, unverwechselbaren Duft, ein besonders feines, besonders anregendes Parfum. Es regt die Kommunikation an. Der Hauch des Geheimem macht wach. \par \par Wie seit Urzeiten erzeugt das Geheimnis einen Mythos, ein konjunktivisches Prickeln, einen Loreley-Gesang des M\u246\'9aglichen. Geheimnisse inspirieren - genauer gesagt: ungel\u246\'9aste, nicht aufgekl\u228\'8arte Geheimnisse. An zahllosen ge\-l\u252 \'9ffteten Geheimnissen l\u228\'8a\u223\'a7t sich studieren, dass der Mythos dem Glanz seiner Verhei\u223\'a7ung nur selten entspricht. \par \par Der Kern eines Geheimnisses, das Innerste des Tempels, das Mysterium Tremendum, ist meist leer. \par \par Das \u228\'8andert nichts an der immensen Produktivkraft des Geheimen. Seine eigentliche Wucht und Wirkung entfaltet es Geheimnis, so lange es geh\u252\'9ftet bleibt; eine Fiktion. In seinen beeindruckendsten Formen kann das Geheim\- nis ganze Staatsformen begr\u252\'9fnden. Durch kommunikative Fehlsteuerung l\u228\'8a\u223\'a7t sich aber auch ein Maximum an Macht m\u252\'9fhelos gegen die Wand fahren. Kaum jemand hat das in den zur\u252\'9f ckliegenden Jahrzehnten so eindrucksvoll unter Beweis gestellt wie das englische K\u246\'9anigshaus. \par \par \par Die Monarchie lebt aus dem Geheimnis, das sie umgibt. Man darf diese Ma\-gie nicht durch zu viel Licht entzaubern. 1936 mu\u223\'a7 te Edward VIII abdanken, als er die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson heiraten wollte. Zum ersten Mal wurde damals das Privatleben eines Monarchen in Zeitungen ausgebreitet. 1969 sahen 27 Millionen Engl\u228\'8ander die BBC-Dokumentation \ldblquote Royal Family\ldblquote . Gezeigt wurde erstmals eine Version der Windsors als normale Mittelklassefamilie, die sich blo\u223\'a7 darin von anderen unterscheidet, dass sie in einem Palast wohnt. Die Queen f\u252\'9f tterte ein Pferd mit einer Karotte, und ihre Untertanen h\u246\'9arten sie das erste Mal nichtformell sprechen. \par \par \ldblquote Sie wissen, dass sie mit dem Film die Monarchie killen\ldblquote , ahnte der BBC-Wissenschaftsjournalist David Attenborough. \ldblquote Die ganze Institution beruht auf Mystizismus und dem Stammesh\u228\'8auptling in seiner H\u252\'9f tte. Wenn ein Mitglied des Stammes jemals das Innere der H\u252\'9ftte sieht, kann es sein, dass der Stamm zerf\u228\'8allt.\ldblquote \par \par \page 1982 gelangte ein Fremder in das unbewachte Schlafzimmer der Queen. W\u228\'8ahrend des Prozesses gegen ihn erfuhr die \u214\'85ffentlichkeit, dass die K\u246\'9anigin, anders als die meisten Mittelklassefrauen, nicht im selben Zimmer schl\u228\'8a ft wie ihr Gatte. 1993 wurde ein abgeh\u246\'9artes Telefonat zwischen Camilla Parker-Bowles und Prinz Charles ver\u246\'9affentlicht, in dem der Prinz sich w\u252\'9fnschte, als ihr Tampon wiedergeboren zu werden. Attenboroughs Bef\u252\'9frchtungen be\- wahrheiten sich. \par \par Dass Transparenz ein regulierender Wirtschaftsfaktor sein kann, beweist \u252\'9fbrigens nicht nur die deutsche Debatte um die Offenlegung von Manager\-geh\u228\'8altern. Seit sie ihre Regentschaft angetreten hat, hat die englische K\u246\'9anigin sich darauf berufen, dass der Monarch traditionell von der Einkommenssteuer ausgenommen sei. Diese Tradition ist aber bei weitem nicht so alt ist, wie sie uns glauben lassen m\u246\'9a chte. Georg III. bezahlte Einkommenssteuer, ebenso Queen Victoria und alle nachfolgenden K\u246\'9anige. Erst Georg VI, der Vater von K\u246\'9anigin Elizabeth, entschied, dass es Zeit sei, eine neue Tradition zu begin\- nen. Die Steuerbefreiung beschert der K\u246\'9anigin j\u228\'8ahrlich mehr als 7 Millionen Pfund, umgerechnet gut 10,2 Millionen Euro. \par \par }\pard \qc \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 == \par }\pard \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par Das Geheimnis als ein Mittel, Unterschiede in der Schwebe zu halten, hat auch viele positive Aspekte. Zu den Klassikern, ohne die bestimmte Arten der ver\-traulichen, das hei\u223\'a7t vollumf\u228\'8anglichen Kommunikation nicht m\u246\'9aglich w\u228 \'8aren, geh\u246\'9aren der 2500 Jahre alte Hippokratische Eid, das Beichtgeheimnis und das Geheimnisrecht von Berufsgruppen wie Anw\u228\'8alten oder Journalisten. \par \par Kultur geht immer mit einer Zunahme an Unterschieden einher, Fortschritt mit Vielfalt. Nat\u252\'9frlich liegt nicht jede Zunahme an Unterschieden im gesellschaft\-lichen Interesse. Wachsende Einkommensunterschiede etwa werden immer\- hin diskutierbarer, wenn Geh\u228\'8alter offengelegt werden. Andererseits gibt es konstruktive Arten der Geheimhaltung, die bei modernen Formen von Infor\-mations\u246\'9akonomie beginnen. Geheimnisse zu erahnen, sie zu wittern und schlie\u223\'a7 lich zu l\u252\'9fften, geh\u246\'9art zur \u252\'9fberlebensnotwendigen Grundschulung im Internet-Zeitalter. Journalistische Kompetenz, also ein gutes Urteilsverm\u246\'9agen die Integrit\u228\'8at von Fakten und Quellen betreffend heranzubilden, war bi s zur digitalen Revolution Fertigkeit einer speziellen Berufsgruppe. Heute ist sie notwendiger Bestandteil der Allgemeinbildung. \par \par Vitale Geheimnisse sind fl\u252\'9fssig und fl\u252\'9fchtig. So waren im Alten Reich, der alt\u228\'8agyptischen Fr\u252\'9fhzeit, nur der Pharao und die Ho he Priesterschaft in das Geheimnis der Unsterblichkeit eingeweiht. Etwa 80 Pyramidenbauten und knapp 180 Jahre sp\u228\'8ater erhob sich das Volk, das Anteil an dem Geheimnis haben wollte. Im nachfolgenden Neuen Reich stand der Weg in die Unsterb\- lichkeit dann jedermann offen, der die Mittel f\u252\'9fr magische Rituale aufbringen konnte; Pyramiden waren nicht mehr probat. Einzig die Idee des gro\u223\'a7en Geheimnisses hat sich in den Pyramiden bis heute gehalten. Jeder neu ent\-deckte und er \u246\'9affnete Hohlraum aber belegt die alte Erfahrung: dort, wo das Geheimnis sich finden sollte, ist nichts. \par \par \u196\'80hnlich abgeflacht ist die Hierarchie des Mysteri\u246\'9asen heutzutage. Demokra\-tische Gesellschaften haben eine neue, por\u246\'9ase Form des Geheimnisses her\-vorgebracht. Eine wachsende Vielzahl von Medien macht die herk\u246\'9ammlichen Umh \u252\'9fllungen von Vertraulichem immer durchl\u228\'8assiger, Voyeurismus und Ex\-hibitionismus dr\u252\'9fcken Intimstes ins Scheinwerferlicht. Schlie\u223\'a7lich erw\u228\'8achst mit dem elektronischen Elefantenged\u228\'8a chtnis des Internet und seinen Such\-maschinen eine geradezu katholisch unnachsichtige S\u252\'9fndenregistratur. Wer einmal versucht hat, eine alte Nachricht aus dem Internet zu l\u246\'9aschen, wei\u223\'a7, wovon die Rede ist. \par \par An den Trivialformen der Geheimniskr\u228\'8amerei erkennt man auch die starke selbstwertf\u246\'9ardende Funktion des Geheimnisses. Fr\u252\'9fher bedeutete es, dass man wichtig war, wenn es im Telefon knackte und man m\u246\'9aglicherweise ab\-geh\u246 \'9art wurde. Zeitlos sind die Zugewinnversuche an Geheimnis-Status bei Esoterikern, die sich im Besitz nur ihnen geoffenbarter Geheimnisse w\u228\'8ahnen, bei Verschw\u246\'9arungstheoretikern oder dem Geheimnisr\u246\'9antgen als Gaudi in TV-Shows a la \ldblquote Das Gest\u228\'8andnis\rdblquote . Geheimnisse helfen also auch dem Gef\u252\'9fhl ab, sozusagen seelisch abstehende Ohren zu haben. \par \par }\pard \qc \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 == \par }\pard \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par Information effizient zum Verschwinden zu bringen, geh\u246\'9art zum bemerkens\-werten Leistungsangebot der Geheimnisindustrie. Sie hat nur noch wenig zu tun mit verdeckten Operationen aus den Zeiten des Kalten Kriegs. Das Ge\- heimnis ist komplex geworden. Es ist geschmeidig und extrem beweglich geworden. Es fluktuiert, und diese Fluktuation scheint nach der Art der kommunizierenden R\u246\'9ahren zu funktionieren. L\u228\'8a\u223\'a7 t das Geheimnis an einer Stelle nach, gleicht sich die Abschw\u228\'8achung an anderen Stelle umgehend wieder aus. \par \par Hatte man fr\u252\'9fher au\u223\'a7er Haus ein Telefongespr\u228\'8ach zu f\u252\'9fhren, fand die Privat\-sph\u228\'8are ihre provisorische Entsprechung in der Telefonzelle, einem geschlos\- senen Raum. In den siebziger Jahren wurden die Zellen luftiger, mit Schwing\-t\u252\'9fren. Schlie\u223\'a7lich schwanden die W\u228\'8ande zu Kunststoffwangen, zwischen die man mi t dem Kopf in ein Restprivatissimum eintauchen konnte. Heute zeigt das verbliebene freipr\u228\'8aparierte R\u252\'9fckgrat der Telefonzelle, der Kommunika\-tionspfosten aus geb\u252\'9frstetem Stahl, das Zeitalter der geheimnislosen Tele\-fongespr\u228 \'8ache an. \par \par \page W\u228\'8ahrend die schirmenden Teile um die \u246\'9affentlichen Telefone verschwanden, lie\u223\'a7 sich jedoch gleichzeitig beobachten, wie die vormals durchsichtigen Innenr\u228\'8a ume von Autos sich zu immer abgedunkelteren, verspiegelteren Zellen verschlossen. Und es fluktuiert weiter. An den Telefonpfosten haben sich inzwischen wieder D\u228\'8acher und gl\u228\'8aserne Seitenw\u228\'8a nde eingefunden. Es ist, als ob es stets einen gewissen Grundbestand an Geheimnis geben m\u252\'9f\u223\'a7te. \par \par Die Idealvorstellung vollst\u228\'8andiger Transparenz f\u252\'9fhrt zu einer Paradiesvor\-stellung, die jener \u228\'8ahnelt, in der die L\u246\'9awen eintr\u228\'8achtig neben den L\u228\'8a mmern liegen - einer Welt ohne Passionen und Herausforderungen. Geheimnisse verhindern die Gefahr solcher Entropie in der Kommunikation. Sie erh\u246\'9ahen ihre Dynamik. Wer kommunizieren kann, sp\u252\'9frt meist instinktiv, w enn ihm etwas vorenthalten werden soll. Wie Ger\u252\'9fche, so lassen Geheimnisse sich an winzigsten Ausdrucksspuren wittern. Sie wecken die Aufmerksamkeit und sch\u228\'8arfen das Interesse. Auch wenn der faktische Kern eines Geheimnisses \u252\'9f ber lange Zeit gewahrt bleibt - ob es sich um Deep Throat oder die Vatikani\-sche Bibliothek handelt - schon die Vermutung eines Geheimnisses h\u228\'8alt den lebhaften Zustrom von Interesse aufrecht, oft \u252\'9fber Jahre oder sogar Jahrhun\-derte. \par \par }\pard \qc \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 == \par }\pard \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par Unsere Gesellschaft entwickelt sich in der produktiven Spannung zwischen zwei diametral entgegengesetzten Interessen: dem Schutz der individuellen Privatsph\u228\'8are - also der M\u246\'9a glichkeit einer Person, Geheimnisse zu haben - und andererseits den Interessen von Staat und Wirtschaft, die Geschlossenheit der Privatsph\u228\'8are aufzuheben zum Schutz vor Terrorismus oder einer immer ver\-feinerteren Kontrolle des Konsumverhaltens. \par \par Es gibt \u252\'9fbrigens eine verbl\u252\'9fffende Parallele zwischen Datensch\u252\'9ftzern und islamischen Konservativen. W\u228\'8ahrend Fundamentalisten ihre Vorstellung von Geheimhaltung, die vor allem den K\u246\'9a rper der Frau betreffen, materiell durch Kopftuch und Schleier manifestieren, ist die beide Geschlechter umfassende elektronische Verh\u252\'9fllung der Privatheit, die }{\i\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Daten-Bhurka}{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 , nicht sofort zu er\-kennen. \par \par Unidentifiziert bleiben zu k\u246\'9annen, galt lange als Grundrecht in einer digitalen Welt. Aber Anonymit\u228\'8at ist kein Wert an sich. Auch hier ist eine Neubewertung im Gang. Als Jeff Bezos in seiner Online-Buchhandlung Amazon.com Kunden die M\u246 \'9aglichkeit gab, eigene Rezensionen zu den angebotenen B\u252\'9fchern ins Netz zu stellen, Zitat: "meinten viele, dass ich wohl nicht wei\u223\'a7, wie das Ge\-sch\u228\'8aft l\u228\'8auft". Sie konnten nicht verstehen, weshalb Bezos zulie\u223\'a7 , dass auch Abwertendes \u252\'9fber Dinge geschrieben wurde, die er verkaufen wollte. Viele Autoren begr\u252\'9f\u223\'a7en die offene Form der Meinungs\u228\'8au\u223\'a7erung zu ihren Produk\-ten - jedenfalls so lange sie positiv ist. \par \par Unter dem Deckmantel der Anonymit\u228\'8at findet sich aber auch viel fragw\u252\'9frdige Kritik oder Diffamierungen. Ein Computerfehler auf der kanadischen Amazon-Website f\u252\'9f hrte dazu, dass tagelang die Klarnamen von Rezensenten zu lesen waren, die eigentlich anonym bleiben wollten. Dabei stellte sich heraus, dass unter anderem Autoren ihre eigenen Werke in den h\u246\'9achsten T\u246\'9anen lobten. F\u252\'9f r manche ist das schlichte Gegenwehr: "Dass inzwischen jeder daherkom\-men und anonym Dreck \u252\'9fber ein Buch ausgie\u223\'a7en kann, erscheint mir ab\-surd", sagt der Autor John Rechy, der dazu steht, sein eigenes Buch bei Ama\- zon bejubelt zu haben. Im absehbarer Zeit wird es bei Amazon }{\f22\ul\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 keine anony\-men }{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Rezensionen mehr geben, }{\f22\ul\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 nur noch pseudonyme}{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 . Es soll sichergestellt werden, dass Kritiken nur unter dem tats\u228\'8a chlichen Namen eines Rezensenten online gehen k\u246\'9annen. \par \par }\pard \qc \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 == \par }\pard \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par Bereits an ihren Anf\u228\'8angen im 15. Jahrhundert war die Kartografie vom Ge\-heimnis umweht. Portugal war damals Zentrum der neuen Kunst. Die Karto\- grafen waren zu absoluter Geheimhaltung verpflichtet, aber immer wieder sickerten Informationen durch. Kartendiebstahl wurde mit dem Tod bestraft. }{\f22\ul\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Martin Beheim}{ \f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 brachte Informationen vom portugiesischen Hof mit und schuf den ersten Globus der Welt. Auf dem waren die Proportionen Asiens viel zu gro\u223\'a7 eingezeichnet, der Weg dorthin erschien ziemlich kurz. Kolumbus richtete sich nach diesen falschen Informationen. \par \par In der Einf\u252\'9fhrung seines ber\u252\'9fhmten Buchs \u252\'9fber das MIT Media Lab beschrieb Steward Brand 1987, wie er sich in den besten Kartenfachgesch\u228\'8aften nach einer Karte erkundigte, auf der die Informationsstr\u246\'9a me der Welt verzeichnet sind und wie er betriebsame Ratlosigkeit erntete. Noch die exotischsten Sach\-verhalte waren kartografiert, aber eine solche Karte gab es nicht. \par \par Der Wunsch, durch eine Welt der Geheimnisse zu navigieren, f\u252\'9fhrt zu kontro\-versen Projekten und Produkten. Die japanische Firma Koshida bietet ein Dis\-play an, das nur mit einer Spezialbrille nutzbar ist (und das nicht an Privatper\- sonen verkauft wird). Betrachtet man den Bildschirm mit blo\u223\'a7em Auge, kann man nichts darauf erkennen. \par \par Das US-Verteidigungsministerium hat mit einem Projekt namens DIVA (alias }{\i\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Distributed Digital Video Arrays)}{ \f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 experimentiert. Es handelt sich dabei um Ver\-b\u252\'9fnde von \u220\'86berwachungskameras, die nicht nur Individuen in einer Men\-schen\-menge, sondern auch verd\u228\'8a chtige Verhaltensweisen erkennen und automatisch an die Beh\u246\'9arden melden sollen. \par \par Um im Stealth-Bereich des Geheimnisses zu bleiben, l\u228\'8a\u223\'a7 t man sich aber am besten gar nicht erst blicken. Die Firma Hewlett-Packard entwickelt hierzu gerade einen Roboter, der anstelle eines Menschen an Veranstaltungen aller Art teilnimmt. Der Prototyp war allerdings ein Mi\u223\'a7erfo lg. Die Teilnehmer des Meetings interessierten sich mehr f\u252\'9fr das Ger\u228\'8at als f\u252\'9fr die Person, die repr\u228\'8a\-sentiert werden sollte. \par \par }\pard \qc \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 == \par }\pard \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par Ich m\u246\'9achte schlie\u223\'a7en mit einem Zitat von Norbert Wiener, dem wir das Kon\-zept der Kybernetik verdanken. Am 3. Oktober 1956 widmete ihm der \ldblquote Spie\-gel\rdblquote anl\u228\'8a\u223\'a7 lich der Montage einer 400 Zentner schweren, sieben Millionen Mark teuren \ldblquote Denkapparatur\rdblquote der Firma Remington-Rand in Frankfurter Batelle-Institut - einer \ldblquote Univac Fac-Tronic II\rdblquote - die Titelgeschichte. \par \par Wiener spricht darin von seinen \u220\'86berlegungen zur Automatisierung, Zitat: \ldblquote Wenn diese Umw\u228\'8alzung uns unvorbereitet tr\u228\'8afe\rdblquote , sagt er - wir schreiben das Jahr 1956 - \ldblquote w\u252\'9frden wir der gr\u246\'9a\u223 \'a7ten Arbeitslosigkeit entgegengehen, die wir je erlebt haben... Ich \u252\'9fberlege, ob ich nicht das Recht pers\u246\'9anlicher Geheim\-haltung aus\u252\'9fben sollte, entsprechend dem Geheimhaltungsrecht, das die Regierung f\u252\'9f r sich beansprucht, ob ich nicht meine Gedanken und Arbeiten unterdr\u252\'9fcken sollte.\rdblquote \par \par \ldblquote Nachdem ich mit der \u220\'86berlegung einer pers\u246\'9anlichen Geheimhaltung eine Weile gespielt hatte, kam ich zu dem Schlu\u223\'a7, dass dies unm\u246\'9aglich w\u228\'8are. Denn meine Gedanken geh\u246\'9a rten mehr meiner Epoche als mir. Und wenn ich jedes Wort h\u228\'8atte unterdr\u252\'9fcken k\u246\'9annen, das ich geschrieben hatte, es w\u228\'8are doch in den Arbeiten anderer Menschen wieder aufgeta ucht, aber wahrscheinlich in einer Form, in der seine philosophische Bedeutung und seine soziale Gef\u228\'8ahr\-lichkeit nicht so nachdr\u252\'9fcklich hervorgehoben worden w\u228\'8aren. Ich konnte vom R\u252\'9f cken dieses Mustangs nicht mehr abspringen, und so blieb nichts \u252\'9fbrig, als ihn zu reiten.\rdblquote \par \par Unter dem Zwang dieser \u220\'86berlegung habe er sich entschlossen, \ldblquote von einer Position gr\u246\'9a\u223\'a7ter Geheimhaltung auf eine Position gr\u246\'9a\u223\'a7tm\u246\'9aglicher Publicity \u252\'9f berzuwechseln und die Aufmerksamkeit aller auf die M\u246\'9aglichkeiten und Gefahren der neuen Entwicklung zu lenken.\rdblquote \par \par In diesem Sinn. \par \par \par }{\i\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 Ich bedanke mich f\u252\'9fr die Aufmerksamkeit \par }{\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par }\pard \qc \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 == \par }\pard \ql \li0\ri0\nowidctlpar\faauto\rin0\lin0\itap0 {\f22\cf1\lang1033\langfe1033\langnp1033\insrsid11622797\charrsid11622797 \par }}